… schon ausgemeldet?

Brandspuren an Zimmerwand

Es war ein anstrengender Samstag, der Atemschutzgeräteträgerlehrgang hatte seinen letzten Ausbildungstag mit Prüfung. Nach dem Lehrgang musste das Übungsmaterial wieder vom LF geräumt werden, das Fahrzeug getankt und ein Lämpchen ausgewechselt werden, die Riesenthermoskanne für den Tee wurde gereinigt und ein bisschen Bürokram wollte auch erledigt werden.

Endlich geschafft, es ist kurz vor 20:00 Uhr, und wenn ich mich beeile, kriege ich noch zuhause die Tagesschau mit.

Autoscheinwerfer biegen auf den dunklen Hof, als ich gerade die Bürotür abschließe. Ein Kamerad  winkt mir fröhlich-lässig durch die gläserne Eingangstür zu, und deutet Richtung Hallentür. Na, der hat bestimmt gesehen dass hier Licht ist, und guckt mal kurz vorbei … dann wohl eher keine Tagesschau heute.

Ich winke zurück, schlendere durch den Unterrichtsraum in die Halle, öffne wenig später die Tür und begrüße mein Gegenüber mit einem munteren „Hey, hallo!“. Das steht, mit sämtlichen Einsatzklamotten unter den Arm geklemmt, da, schaut mich leicht irritiert an, und fragt:

„Hast du uns schon ausgemeldet?“

„… ausgemeldet?“

„Ja, ausgemeldet.“

„Warum ausgemeldet?“

„Einsatz?“

(Haha, der Witz ist alt …) „Jaaa, klar!“

„Echt, wir haben einen Einsatz!“

„Ehrlich?“ (Kontrollblick auf den Melder am Gürtel= Batterie leer, Melder tot … *mist*)

Ich hasse das, so völlig unvorbereitete Einsätze … ich meine, ohne Anmeldung kommen die ja immer, aber normalerweise nutze ich die Anfahrt zum Gerätehaus als „Meditationsphase“. Tendenziell schlecht gelaunt werfe ich mich in die Überjacke, packe den Rest meiner Ausrüstung nach vorne, fahre das LF vor die Halle, wechsel den Sitzplatz und warte still vor mich hinfluchend auf weitere Mitfahrer. Tagesschau ade.

Erste Rückmeldungen des ersten Zugs verkünden einen Anbau an einem mehrgeschossigen Wohnhaus im Vollbrand. Mehrere Bewohner machen sich an Fenstern bemerkbar, und das Treppenhaus ist verraucht.

Als wir ausreichend besetzt sind und ausrücken, droht das Feuer auf des Treppenhaus überzugreifen.

An der Einsatzstelle angekommen stellen wir einen Trupp unter PA, der im Keller die Gaszufuhr abschiebert, die Kellerräume kontrolliert und anschließend noch im obersten Geschoß eine Abluftöffnung schafft.

Der Brand ist dank des beherzten Eingreifens aller Kräfte, nach der vorrangigen Menschenrettung, schnell unter Kontrolle und nach sehr kurzer Zeit gelöscht. Die Bewohner werden von der Betreuungseinheit einer Hilfsorganisation umsorgt, und zum Glück ist niemandem ernsthaft etwas passiert.

Die Begehung der Brandwohnung nach den Löscharbeiten zeigt ein Bild der Verwüstung, die Wohneinheit im Anbau ist komplett zerstört. Die übrigen Wohnungen sind durch den Brandrauch unbewohnbar.

Nach knapp zwei bis drei Stunden können wir, alle etwas nachdenklich, wieder einrücken, in der Hoffnung auf ein ruhiges Restwochenende … nicht nur für uns selber.

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