Strohfeuer …

… von wegen „schnell abgebrannt“!

Am Sonntag habe ich so richtig was vor, geplant ist ein Ausflug ins benachbarte Ausland, wo eine befreundete Feuerwehr einen Tag der offenen Tür veranstaltet. Seit Tagen freue ich mich darauf, vor allem weil unser Besuchergrüppchen aus lauter netten Leuten besteht.

Nun, was soll ich sagen … eine viertel Stunde bevor der Wecker klingeln soll, spielt der Meldeempfänger seine eindringliche Melodie ab. *sic*

Am Gerätehaus angekommen fährt das erste LF gerade vom Hof, und an das zweite wird noch schnell der Schlauchanhänger (eine altertümliche Konstruktion, bestehend aus jeweils einer übereinander angeordneten B- und C-Haspel) angekuppelt. Das Einsatzstichwort lautet „brennt Scheune in voller Ausdehnung“. Inzwischen sind gleich mehrere Löschzüge nachalarmiert worden, und ebenfalls auf der Anfahrt zum Einsatzort. Nach der Funktionsprüfung des Hängers zuckeln wir hinterher.

Mehrere 100 Meter vor der Einsatzstelle sehen wir den Trupp eines anderen Zuges, der im Begriff ist, ein Standrohr zu setzen. Wir fahren auf Geheiß des amtierenden Gruppenführers rechts in eine Seitenstrasse, in der Hoffnung … worauf eigentlich? Keine Ahnung, aber wir sollen absitzen, was wir auch tun. Sekunden später muss der Anhänger abgekuppelt werden, und ich fange mir einen blöden Kommentar ein, weil ich direkt nach dem Abkuppeln die Zugstange quer zur Deichsel anbringe: „Das kannst du auch später machen!“ … ja wann passt es denn am besten, wenn wir den Hänger leergerollt haben, wäre es dann genehm? Ich denke mir das „böse A-Wort“, wünsche dem Nörgler dass er auch mal dieses Ungetüm nur an der Deichsel ziehen muss – ich hatte aufgrund eines Defektes mal das zweifelhafte Vergnügen – und lasse mich nicht irritieren.

Aus Richtung der Einsatzstelle kommt inzwischen im Eiltempo (es geht leicht bergab) ein B-Haspel gefahren. Wir sollen zwischenzeitlich eine zweite Wasserleitung suchen … die es hier aber leider nicht gibt. Also müssen wir doch an den zweiten Abgang des bereits installierten Standrohrs gehen. Mein Truppkollege übernimmt das Ankuppeln und das Legen des Schlauchs, während ich mir dreisterweise zwei Kameraden von unserem inzwischen eingetroffenen MTF (ohne Führungskraft) schnappe, die ich an die Zugstange bitte. Ich schiebe hinten, und wir düsen los Richtung Reiterhof … der gefühlte Rollwiderstand des veralteten bewährten Anhängers entspricht dem einer Schrankwand, zudem geht es leicht bergauf, und wir verlegen uns aufs zügige Gehen. Die Stichstraße zum Hof steigt noch stärker an, und 2 – 3 B-Längen vor Erreichen des Löschfahrzeugs, welches als Verstärkerpumpe eingesetzt wird, ist unsere B-Haspel leer. Idealerweise hat genau auf dieser Höhe jemand eine fahrbare B-Haspel mit ein paar Restschläuchen stehen gelassen, so dass wir unseren Hänger in die Grünanlage verfrachten und kurzerhand mit dem geliehenen Gefährt unsere Tour fortsetzen. Nach dieser sportlichen Höchstleistung verschnaufen wir erstmal, bevor wir uns das Brandszenario etwas näher anschauen.

Das Dach der Halle ist bereits durchgebrannt, aber die gröbsten Flammen sind inzwischen niedergekämpft, und auch die Riegelstellung zu den benachbarten Stallungen hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Ich  wundere mich ein wenig über die Fahrzeugaufstellung an der brennenden Halle – die Giebelwand scheint eine geradezu magische Anziehungskraft auf kleine rote Autos gehabt zu haben. Da die vorhandenen Gefahren offenbar noch nicht ausreichen, bastelt man sich im Einsatzverlauf schnell selber welche: In die seitliche Halleneinfahrt wird, soweit es die einsturzgefährdete Konstruktion zulässt, ein oszillierender unbemannter Wasserwerfer gesetzt. Von der Idee ja nicht schlecht, allerdings pendelt das Ding munter mit Vollstrahl durch die Räumlichkeiten, und schießt dabei in schöner Regelmäßigkeit ganze Reihen von Dachziegeln durch die Luft … ich bin froh, oben auf dem Hügel bei der Verstärkerpumpe zu stehen.

Inzwischen sind jede Menge, sprich viel zu viele, Feuerwehrleute vor Ort, und aufgrund der gewaltigen Rauchsäule erreicht auch der Brandstellentourismus seinen Höhepunkt. Dankbar nutze ich die erste Möglichkeit, mich ablösen zu lassen, und fahre mit einer kleinen Gruppe zurück zum Gerätehaus – immerhin, der halbe Tag ist noch gerettet. Ich schaffe es sogar noch, mich in die Besuchergruppe zum Tag der offenen Tür einzuklinken, denn deren Aufbruch hat sich aus anderen Gründen verschoben.

Da schätzungsweise 8.000 qm Stroh in der Halle vom Brand betroffen sind, wird das eine längere Geschichte. Nach einigen Tagen ist man immer noch mit Brandsicherheitswachen rund um die Uhr beschäftigt, und das soll noch Wochen so weiter gehen … 😦  Prima Aussichten (eine nächtliche Wache habe ich schon hinter mir)!

Eine Antwort

  1. Hey cool,
    bin erst seit kurzem Leser dieser Seite, aber ich wuste garnicht das hier auch welche aus meiner Stadt schreiben 🙂
    Weiter so..
    lg

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