Am Zug …

… oder auch nicht.

Zug in Richtung Tunnel

Die letzte Großübung, an der wir teilnehmen durften, ist noch in lebhafter Erinnerung. Wohl deshalb blickt man der nächsten, die diesmal mitten in der Nacht und in bzw. an einem Eisenbahntunnel stattfindet, relativ gelassen, aber mit leicht gemischten Gefühlen entgegen. Einige „alte Hasen“ besorgen sich jedenfalls, nach eigenem Bekunden, frisches Popcorn in ausreichender Menge …

Am „großen Tag“ versammeln sich die Einheiten der beteiligten Organisationen in den jeweiligen Bereitstellungsräumen, und harren der Dinge, die da kommen mögen. Zahlreiche Pressevertreter und Lokalpolitiker werden derweil mit einer MTF-Flotte zur „Technischen Einsatzleitung“ gefahren. Die Einsatzleitung befindet sich auf einem Parkplatz zwischen den Tunnelportalen, und bietet in einem extra aufgestellten Zelt u.a. eine umfassende Präsentation für die interessierten Besucher. Nach einer kleinen Einführung werden die Gäste an das Südportal gebracht, und die Schiedsrichter, Angehörige der Übungsleitung sowie die hauseigenen Fotografen werden auf beide Portale verteilt.

Ein regulärer Zug passiert den Tunnel mit Verspätung, so dass unser Übungszug warten muss. Mit etwa halbstündiger Verzögerung beginnt die Übung, bei der ein entgleister und in Brand geratener Personenzug angenommen wird. Nebelmaschinen verrauchen den Tunnel, und zahlreiche, zum Teil aufwendig geschminkte Verletzendarsteller hauchen der Übung ein wenig Realismus ein.

Der erste Aha-Effekt tritt bereits ein, als einige Einheiten versuchen einen der vorgesehenen Funkkanäle an ihren 2m-Handfunkgeräten einzustellen … dieser ist bei einem essentiellen Teil der Einheiten gar nicht verfügbar, weil nicht programmiert oder freigegeben. (Erste „Popcorn!“-Rufe erschallen …)

Der Rest der Übung verläuft für die verschiedenen Einheiten sehr unterschiedlich:

Vor allem am Südportal, wo sämtliche Verletzten aus dem Tunnel kommen, ist mächtig was los. Brandbekämpfung, Wasserversorgung, Verletztenrettung im Zug, Verletztentransport und- betreuung, Ausleuchtung des Rettungsplatzes, Festlegung und Aufbau einer Betreuungsstation in einiger Entfernung … die Liste der Aufgaben nimmt fast kein Ende, und alle beteiligten Kräfte sind arg beschäftigt.

Am Nordportal tritt der gesamte Rauch (bzw. Nebel) aus, und es werfen sich einige Feuerwehreinheiten in den Kampf. Leider weitestgehend unbeachtet, noch dazu mit einer unrealistisch langen Verzögerung bis zum Eintreffen der ergänzenden zweiten und dritten Einheiten. Diese dürfen direkt wieder abbauen, als deren Gerät gerade frisch in Stellung gebracht ist. Das sorgt für Frust, auch wenn man natürlich weiss, dass es im Realfall anders laufen würde und dass eine Übung halt eine Übung ist.

Aufräumen am Nordportal

Am Nordportal ist schon längst wieder alles eingepackt, als am Südportal besonders der Rettungsdienst  und die Betreuungseinheiten noch mitten im Geschehen sind. Die Feuerwehr baut allerdings auch hier schon wieder zurück, und eine Einheit nutzt bereits die Gelegenheit zu einer kleinen Besichtigungstour in den Tunnel hinein (sehr zum Missfallen der noch abbauenden Einheiten).

Als alle soweit wieder frei sind, soll es noch Erbsensuppe geben. Wo, ist allerdings nicht so klar, und als man am mühsam ausgekundschafteten Ort ankommt, trifft man zwar auf weitere erwartungsvolle Kräfte, aber weder auf Tische und Bänke, noch gar auf etwas Essbares. Einigen wird das in dem Moment zu bunt, und sie fahren ohne Verpflegung wieder ihre Heimatstandorte an. Gerüchten zufolge gab es aber tatsächlich noch Erbsensuppe, und Kräfte die sich an der Einsatzleitung, die gesondert versorgt wurde, aufhielten, können berichten dass diese sogar sehr gut geschmeckt hat …

Hoffen wir, dass die Übung ein paar Erkenntnisse gebracht hat, und freuen wir uns auf das nächste Ereignis dieser Art (bei dem ich definitiv die Bestellkarte vom Pizzaservice in der Hosentasche haben werde).

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